Die Kreuzzüge

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Radulfus Niger

Der englische Theologe und Jurist Radulfus Niger schrieb um 1188 über die Kreuzzüge

Dass die Sarazenen nicht hingeschlachtet, sondern zurückgedrängt werden sollen: Sind die Sarazenen hinzumorden? Etwa weil ihnen der Herr Palästina gegeben hätte oder ihnen zum Besitze ließ? Jener hat gesagt: Ich will nicht den Tod des Sünders. Sie sind Menschen von derselben natürlichen Beschaffenheit wie wir. Sie müssen auf jeden Fall von unserem Land zurückgeworfen werden, weil alle Rechte es erlauben, Gewalt mit Gewalt zu vergelten, gleichwohl aber mit der Mäßigung der gerechten Verteidigung, damit nicht das Heilmittel das Maß überschreitet. Jedenfalls müssen sie mit dem Schwerte des Wortes Gottes geschlagen werden, sodass sie freiwillig und ohne Zwang zum Glauben kommen, da ja der Herr Frondienst und erzwungene Dienste hasst. Wer immer also den Glauben mit Gewalt zu verbreiten sucht, verlässt die Lehren des Glaubens.

Vom Papst darf nur erfolgen, was die Vernunft zulässt: Der Herr Papst, der Stellvertreter Gottes auf Erden, rät Klerikern wie Laien den Kreuzzug an und gewährt den Kreuzfahrern die Vergebung all ihrer Sünden. Ich wage es nicht, über seine Urteilskraft zu diskutieren. Das eine glaube ich jedoch, dass auch dem Stellvertreter Gottes nur das erlaubt ist, was der Standpunkt der Billigkeit oder Gerechtigkeit erfordert. Gott nimmt nämlich den Dienst der Sünder nicht an, bevor sie nicht ihre Sünden nach Ableistung der Buße und einer angemessenen Genugtuung abgelegt haben. Und das Vergießen jeglichen Blutes, geschweige denn von Menschen, ist wohl keine angemessene Genugtuung, und die Pilgerfahrt verhilft oder genügt nicht bei beliebigen Sünden zur Genugtuung.

 

Zit. nach Peter Milger, Die Kreuzzüge. Kriege im Namen Gottes, München (Orbis) 2000, S.299 und 313.

Quelle: W.Jäger et. Al., Die islamische Welt und Europa, Berlin (Cornelsen) 2002, S. 96.

 

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