Die Kreuzzüge

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Der Kinderkreuzzug

„Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 19,14)

 

Wann fand der Kinderkreuzzug statt?

Der sogenannte Kinderkreuzzug begann im Jahr 1212 n.Chr. in Köln und befindet sich chronologisch gesehen zwischen dem vierten und fünften Kreuzzug der offiziellen Zählung.

 

Wer beteiligte sich am Kinderkreuzzug?

Wie der Name bereits erahnen lässt, setzte sich der Zug zum Großteil aus Kindern der ärmeren Schichten zusammen. Aber auch Bettler, Gaukler, kurz jeder, der weder Hab noch Gut zurücklassen musste, weil er keines besaß, schloss sich getreu dem Motto „es kann nur besser werden“ der Wanderung an. Die Gründe dazu sind vielfältig: Faszination aufgrund der Idee, des Führers oder des Gemeinschaftsgedankens, Gesellschaft von Gleichaltrigen/Leuten des gleichen sozialen Status, Leben am Existenzminimum und mangelnde Zukunftsperspektive.

Andere Motivationen bestimmten die Teilnahme einiger adeliger Jugendlicher am Kinderkreuzzug. Für ihre Entscheidung spielten vielmehr der Wunsch nach Heldentum und das Verlassen der wohlbehütenden, aber auch einengenden elterlichen Erziehung eine tragende Rolle. Die wenigen jungen Kleriker, die sich den Kindern anschlossen, erstrebten das „religiöse“ Wirken außerhalb der Klostermauern und die Machtposition, die sie durch die Mitgestaltung der Predigten und als engste Vertraute des Anführers erlangten.

 

Wer war der Anführer?

Der Initiator und Führer des Zuges war ein Junge namens Nikolaus aus Köln über dessen Alter die zeitgenössischen Quellen Widersprüchliches berichten. So wird er sowohl als sechzehn aber auch als höchsten neun bis zehnjährig beschrieben. Unbestritten dagegen sind sein großes Redetalent und seine charismatische Ausstrahlung. Bereits in seiner Heimatstadt Köln begeisterte er mehrere tausend Kinder und Mitglieder anderer Randgruppen. Seine mitreißenden Predigten spiegelten den scheinbar festen Glauben an seine Ideologie wider und waren in der Lage die Massen zu begeistern. Über Nikolas Herkunft bzw. seinem Elternhaus ist nichts bekannt.

 

Mit welcher Motivation kam der Kinderkreuzzug zustande?

Der Grundgedanke des Kinderkreuzzuges gleicht dem der offiziellen Kreuzzüge. Ziel war es, ins heilige Land zu ziehen und dieses endgültig von den Heiden zu befreien. Neu war der Ansatz der Gewaltlosigkeit. Nicht durch Waffenhilfe sondern allein durch den Beistand Gottes würden die Kinder gemäß Nikolas Predigten alle Andersgläubigen aus Jerusalem und Umgebung vertreiben. Lediglich die uneingeschränkte Nachfolge und der feste Glaube an das Gelingen des Unternehmens wurden von der Teilnehmern des Kinderkreuzzuges gefordert. Nikolas selbst rechtfertigte die von ihm entworfene Ideologie mit einer göttlichen Vision. Jene habe ihn angeblich dazu aufgefordert, das Projekt „Kinderkreuzzug“ ins Leben zu rufen.

 

Welche Route wählte der Kinderkreuzzug?

 

„Der Herr sprach zu Mose: ‚ [...] Befiel den Israeliten aufzubrechen, erhebe deinen Stab, strecke deine Hand aus über das Meer und spalte es in zwei Teile, so dass die Kinder Israels trockenen Fußes durch das Meer gehen können.’“ (Ex 14,15 - 14,16)

„Und mit trockenen Füßen zogen die Kinder Israels mitten durch das Meer, weil das Wasser links und rechts wie eine Mauer stehen blieb.“ (Ex 14,22)

Nikolas war der festen Überzeugung, dass sich auf seinen Befehl hin, gemäß der Vision, das Meer in zwei Teile trennen würde. Auf trockenem Fuße, so predigte er, würden seine Anhänger quer durch das Mittelmeer nach Jerusalem gelangen. Als sich in Genua das Meer allerdings nicht teilte, brach eine große Stütze der Kinderkreuzzug- Ideologie und der Glaube an das „von- Gott- gesandt- sein “ in sich zusammen. Die bedingungslose Nachfolge der Kinder hinter ihrem Anführer geriet ins Wanken.

 

Wie schafften die Kinder den langen beschwerlichen Weg?

Aufgrund ihrer eigenen ärmlichen Herkunft und der Mittellosigkeit der Anführer, waren die Kinderkreuzzugteilnehmer stets auf Gaben und Spenden der Bevölkerung angewiesen. Sobald Nikolas predigte, griff die Begeisterung und Faszination auch auf die einheimischen Schaulustigen über. Aus Begeisterung über die enthusiastischen jungen Kreuzfahrer oder einfach nur aus Mitleid gegenüber den abgemagerten Kindern verteilten die Einwohner großzügig Nahrungsmittel unter Nikolas Anhängern. Die dargebotenen Speisen reichten allerdings nur in großen Städten für alle aus. In Dörfern und kleinen Gemeinden dagegen wurden nur Nikolas und seine Vertraute, die den Löwenanteil erhielten, satt. Hinzu kamen die Strapazen der Alpenüberquerung, die die anfängliche Zahl von 25.0000 Teilnehmern auf 7000 reduzierte.

 

Was geschah als sich das Meer nicht wie versprochen teilte?

Trotz erneuter Forderungen an anderen italienischen Orten entlang der Mittelmeerküste, dachte das Meer nicht daran, sich auf Nikolas Befehl hin zu teilen. Bereits in Genua hatten sich einige Kinder vom offiziellen Zug gelöst und waren auf eigene Faust weitergezogen bzw. nach Hause zurückgekehrt. Andere heuerten auf Schiffen an, in der Hoffnung von diesen ins heilige Land gebracht zu werden. Die Kapitäne allerdings erwiesen sich als skrupellose Sklavenhändler, die die Kinder auf den großen Sklavenmärkten entlang der Mittelmeerküste verkauften. Das Schicksal der meisten Kinderkreuzzug- Teilnehmern sowie das des Anführers bleiben ungeklärt.

 

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